Keto-Diät ohne Kohlenhydratverzicht? Ketone als Supplements, Teil 2

Werden exogene Ketone (exogen = von außen) als Nahrungsergänzung eingenommen, so kommt es trotz kohlenhydratreicher Ernährung zu einem Anstieg der Ketone im Blut. Das wurde im vorangegangenen Blog-Artikel (Teil 1)  bereits besprochen.

Die Nutzung von Ketonen und Glucose als Energieträger erfolgt gleichzeitig, daher wird von beiden Energiesubstraten weniger benötigt. Dieser Effekt ist bekannt aus der Verwendung von Kokosfett oder MCT-Öl als Ketonvorläufer bei der normalen Ernährung. Die mittelkettigen Fettsäuren aus diesen Fetten werden sehr schnell in Ketone umgewandelt und sind in kurzer Zeit im Blut. Und selbst beim strengen Fasten zirkuliert neben den endogenen Ketonen ja noch eine geringe Menge von Glucose im Blut, die aus der Gluconeogenese im Körper selbst produziert wird.

Interessant ist aber, dass sich durch exogene Ketone in Form eines Supplements oder durch Ketonvorläufer wie Kokosöl oder MCT gesundheitsfördernde Wirkungen erzielen lassen, die sonst nur bei einer kohlenhydratarmen Ernährung bzw. beim Fasten auftreten. Allerdings muss bedacht werden, dass der Fettabbau – der durch eine kohlenhydratarme Ernährung bzw., noch stärker, durch das Fasten – angekurbelt wird, beim Einsatz exogener Ketone deutlich eingeschränkt wird. Denn ein hoher Spiegel an Ketonen im Blut – egal ob durch eine echte Ketose mittels Kohlenhydratverzicht hervorgerufen oder durch Ketonvorläufer bzw. exogene Ketone – hemmt die Freisetzung von Triglyzeriden aus den Fettzellen. Dadurch strömen weniger freie Fettsäuren in die Leber und die körpereigene Ketonproduktion sinkt ab. [1]

Und obwohl sich positive Wirkungen der Ketone auch bei einer Zufuhr von außen einstellen, so wird doch die Hauptursache für viele Fehlfunktionen im Körper – ein anhaltend zu hoher Glucose- und Insulinspiegel – nicht effektiv ausgeschaltet. Wer also weiter „normal“, sprich kohlenhydratreich isst, senkt den Glucosespiegel daher auch mit exogenen Ketonen nicht so effektiv, wie es bei einer kohlenhydratarmen Ernährung bzw. noch stärker, beim Fasten geschieht – mit allen daraus entstehenden Nachteilen.

Die Absenkung der freien Fettsäuren im Blut durch exogene Ketone wurde schon als Argument für den Einsatz bei Herzerkrankungen vorgebracht. [1] Allerdings ist eine echte – durch Kohlenhydratverzicht ausgelöste – Ketose trotz eines höheren Spiegels an freien Fettsäuren besser für das Herz. Dann werden die freien Fettsäuren entweder in Ketone umgebaut oder vom Herzmuskel direkt zur Energieversorgung genutzt.

So kann der Schluss gezogen werden, dass bei der optimierten Keto-Diät statt teurer exogener Ketone besser Ketonvorläufer in Form von Kokosöl oder MCT eingesetzt werden sollten, um die Ketonspiegel im Blut zu erhöhen. Ein bis zwei Löffel Kokosöl pro Tag können den Mahlzeiten problemlos zugesetzt werden, ohne die Fettverbrennung merklich zu unterbinden. Dabei profitiert man zusätzlich von den immunstimulierenden Wirkungen der Laurinsäure.

Höhere Dosierungen von Ketonvorläufern oder von exogenen Ketonen empfehlen sich dagegen für den Einsatz der optimierten Keto-Diät bei ernsten Erkrankungen, wie z.B. Krebs. Hier steht nicht der Fettabbau und die Gesundheitsvorsorge im Vordergrund, sondern das Ziel, möglichst schnell hohe Ketonwerte im Blut zu erzeugen, um die Genesung bestmöglich zu unterstützen.

1     Stubbs BJ, et al: On the Metabolism of Exogenous Ketones in Humans. Front Physiol. 2017; 8: 848.

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